Lohnt sich der Hype um KI-Websites für dich?

7. Juni 2026

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KI-generierte Websites sind ein faszinierender Trend – schnell erstellt, günstig, beeindruckend. Aber zwischen “in einer Stunde online” und “funktioniert in meinem Alltag” klafft eine Lücke.

Wenn du deine Website selbst pflegen willst, ohne KI-Expertin zu sein, wird es schnell komplizierter, als es die begeisterten Posts vermuten lassen.

Was ist eigentlich mit “KI-Website” gemeint?

Du hast es vielleicht schon gesehen: Posts auf LinkedIn oder Instagram, in denen jemand stolz zeigt, wie eine komplette Website in einem Vormittag entstanden ist.

Kein Webdesigner, kein WordPress. Stattdessen ein KI-Tool wie Claude, das auf Anweisung den gesamten Code schreibt – HTML, CSS, alles.

Du beschreibst, was du brauchst, und bekommst Minuten später eine fertige Seite, die erstaunlich professionell aussieht.

Das ist unglaublich beeindruckend.

Bevor wir über Tools sprechen:

Egal wie du deine Website erstellst – ob mit WordPress, einem Baukasten oder einer KI – die Vorarbeit bleibt dieselbe. Wofür stehst du? Wen willst du ansprechen? Was brauchen deine Lieblingskunden, wenn sie auf deiner Seite landen? Das muss vorher klar sein. Eine KI kann umsetzen – aber diese Arbeit nimmt sie dir nicht ab. Sie kann dich lediglich dabei unterstützen.

Was ist mit KI-Buildern in Baukästen wie Sitejet oder Wix?

Bevor wir bei den komplett KI-programmierten Websites weitermachen – kurz ein Abstecher zu den Baukästen, die inzwischen auch KI-Funktionen anbieten.

Ich habe das selbst getestet. Bei Sitejet habe ich einen richtigen Prompt geschrieben: Naturheilpraktikerin für Kinder, Praxis in Aarau, Zielgruppe Eltern mit Kindern mit chronischen Beschwerden. Dazu Farben, Schriften, Seitenstruktur, Tonalität – warm, ruhig, vertrauensvoll. Sogar den Hinweis, dass es Schweizer Deutsch sein soll. Detaillierter geht es kaum.

Das Ergebnis? Schau selbst:

Screenshot einer von Sitejet generierten Website für eine Naturheilpraxis – mit generischem Stockfoto asiatischer Kinder statt passender Bilder.

Ein generisches Stockfoto – für eine Naturheilpraxis in Aarau passt das einfach nicht. Die Eltern, die auf diese Seite kommen, müssen sich verstanden fühlen. Und das tun sie so nicht.

Was macht diese Tools so verlockend?

Mal ehrlich: Wer träumt nicht davon? Du beschreibst, was du willst, und bekommst eine fertige Website. Kein stundenlanges Basteln, keine Abhängigkeit von einem Webdesigner, keine Templatesuche.

Und das Ergebnis sieht oft wirklich gut aus. Sauberer Code, modernes Design, schnelle Ladezeiten. Für eine einfache Portfolio-Seite oder eine Landingpage kann das tatsächlich funktionieren.

Dazu kommt: Der Trend geht zurück zu schlanken, statischen Websites ohne schweres System im Hintergrund. Genau das mache ich selbst seit zwei Jahren – weg von schwerfälligen Page Buildern wie Elementor, Divi oder Thrive.

Bei KI-Websites gibt es keine Datenbank, keine laufenden Updates, keine Plugin-Sammlung, die zur Sicherheitslücke wird. Die Angriffsfläche ist deutlich kleiner als bei einem klassischen WordPress.

Sicherheit: Kleiner heisst nicht null

Aber – und das ist wichtig – kleiner heisst nicht null. Sobald deine Website ein Kontaktformular hat, ist eine Tür offen. Sobald interaktive Elemente dazukommen, gibt es Stellen, an denen jemand Schadcode einschleusen könnte.

Und nur weil eine KI den Code geschrieben hat, heisst das nicht, dass er automatisch sicher ist. Auch KI kann Fehler machen – sie merkt es nur nicht von selbst.

Studien belegen das: Veracode hat 4 Millionen Code-Scans analysiert und festgestellt, dass 45 % des KI-generierten Codes Sicherheitslücken enthält. Die Cloud Security Alliance kommt sogar auf 62 %.

Grafik: Anteil KI-generierter Code mit Sicherheitslücken – Veracode 45%, Cloud Security Alliance 62%

Das ist erschreckend.

Was passiert, wenn ich ein eigenes Design umsetzen will?

KI-generierte Websites haben dasselbe Problem wie KI-generierte Texte: Wenn du nicht gegensteuerst, sehen sie alle gleich aus.

Und damit geht genau das verloren, was in der heutigen Zeit so wichtig ist: deine Persönlichkeit. Das, was deine Website ausmacht und dich von allen anderen abhebt.

Solange du der KI freie Hand lässt, geht alles schnell. Du sagst “Mach mir eine Website für eine Hundephysiotherapeutin” – und bekommst etwas, das gut aussieht. Aber eben auch so aussieht wie jede andere KI-generierte Website.

Sobald du eine klare Vorstellung hast – wie gross der Abstand zwischen den Elementen sein soll, wo das Logo sitzen muss, welches Farbkonzept du pixelgenau umsetzen willst – wird aus “eine Stunde” schnell ein ganzer Nachmittag. Und zwar nur für einen einzigen Abstand. Dann diskutierst du mit der KI, korrigierst immer wieder und fragst dich frustriert, wieso das eigentlich schneller gehen soll als vorher.

Übrigens: Das habe ich selbst noch nicht getestet. Im Moment fehlt mir die Zeit dazu. Mein Wissen stammt aus Gesprächen mit Kolleginnen und dem, was ich online beobachte.

Aber eins ist klar: Sobald es um gestalterische Details geht, war “schnell und einfach” noch nie die ganze Wahrheit.

Können meine Kundinnen die Website danach auch selbst bearbeiten?

Diese Frage treibt mich schon lange um. Ich bin immer auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau – dem System, das für meine Kundinnen optimal funktioniert. Bisher habe ich es nicht gefunden. KI könnte tatsächlich die Lösung sein. Ist sie aber im Moment noch nicht.

Stell dir vor: Du willst einfach ein Bild austauschen. Bei WordPress oder Sitejet loggst du dich ins Backend ein, tauschst das Bild aus, speicherst – fertig.

Aber bei einer KI-generierten Website? Da gibt es kein Backend. Da gibt es nur Code. Wenn du ein Bild austauschen willst, musst du es erst hochladen, die richtige Stelle im Code finden und dort die korrekte URL einfügen. Das ist wirklich nicht mehr so einfach.

Oder du gehst über die KI. Das setzt aber voraus, dass du dich richtig gut damit auskennst. Denn du musst erkennen können, ob die KI nebenbei noch drei andere Dinge ändert, die du gar nicht ändern wolltest. Oder ob mit der URL etwas nicht stimmt.

Das Gleiche gilt für Texte – auch wenn es dort etwas einfacher ist. Und stell dir vor, du willst einen neuen Blogartikel veröffentlichen. Wenn du dich nicht wirklich gut mit KI auskennst, wird das schnell zu einer grossen Hürde.

Wo liegen deine Daten – und wie sicher ist das?

Solange deine Website nur aus statischen Seiten besteht – also Text, Bilder, vielleicht ein paar Unterseiten – ist Datenschutz relativ unkompliziert. Die Seite liegt bei deinem Hoster, jemand ruft sie auf, fertig.

Sobald ein Kontaktformular dazukommt, wird es interessant.

Bei WordPress oder Sitejet funktioniert das so: Jemand füllt dein Formular aus, dein Server nimmt die Daten entgegen und schickt sie dir als E-Mail. Alles passiert auf deinem eigenen Hosting. Die Daten verlassen dein Haus nicht.

Bei einer KI-generierten statischen Website geht das nicht automatisch. Dein Server kann nur Seiten anzeigen – aber keine Formulardaten verarbeiten. Dafür brauchst du entweder einen externen Dienst oder ein kleines Skript auf deinem Server, das die Daten verarbeitet. Beides ist lösbar, aber beides musst du bewusst einrichten und sicher umsetzen.

Und bei einem externen Dienst wird es heikel: Wo steht dieser Briefkasten? In der Schweiz? In der EU? Oder in den USA?

Denn sobald jemand ein Kontaktformular ausfüllt – Name, E-Mail-Adresse, vielleicht Telefonnummer – sind das nach DSGVO und DSG bereits geschützte Daten.

Die Frage ist also nicht nur: Sieht meine Website gut aus? Sondern auch: Weiss ich, wohin die Daten tatsächlich geschickt werden?

Was ist mit spezialisierten Anbietern für KI-Websites?

Es gibt inzwischen Plattformen, die alles aus einer Hand anbieten: Website generieren und gleich hosten. Klingt bequem. Aber oft sitzen diese Anbieter in den USA. Das heisst: Die Daten deiner Kundinnen liegen ausserhalb der Schweiz und der EU.

Die gute Nachricht: Da es sich um Code handelt, den du auch lokal speichern kannst, bist du nicht eingesperrt. Wenn dir der Anbieter nicht mehr passt, kannst du deine Dateien nehmen und woanders hochladen.

Allerdings nur die Dateien. Wenn die Plattform noch andere Funktionen anbietet – Stichwort Kontaktformular – dann kann das anders aussehen. Dann kann es sein, dass du diese Funktion nachrüsten oder einen anderen Anbieter dafür finden musst.

Und wie sieht’s bei Kursplattformen oder Mitgliederbereichen aus?

Alles, was ich bisher geschrieben habe, bezieht sich auf Websites. Also auf Seiten, die im Grunde Informationen anzeigen. Schon da gibt es Stolperfallen.

Aber was, wenn du einen Schritt weitergehst? Wenn du einen Online-Kurs anbietest, einen Mitgliederbereich aufbaust, Zahlungen entgegennimmst?

Dann reden wir nicht mehr von statischen Dateien auf einem Server. Dann brauchst du Logins, Nutzerverwaltung, geschützte Inhalte, vielleicht eine Anbindung an einen Zahlungsanbieter. Jeder einzelne dieser Punkte bringt eigene Fragen mit: Wo liegen die Daten deiner Kunden? Wer hat Zugriff? Was passiert, wenn technisch etwas schiefläuft – wer hilft dir dann?

Technisch ist es möglich – Kolleginnen von mir haben das schon gebaut. Aber Datenschutz und rechtliche Fragen spielen hier nochmal viel stärker rein als bei einer einfachen Website. Und ich persönlich habe da noch einige Fragezeichen im Kopf.

Mein Fazit

Ich bin total fasziniert von diesem Trend. KI ermöglicht es jedem, Code zu schreiben – ohne das je richtig gelernt zu haben.

Und ich bin ehrlich dankbar, dass ich vor 25 Jahren HTML richtig gelernt habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Wissen so viele Jahre später nochmal brauche. Aber genau das passiert gerade – es geht zurück zu den Wurzeln.

Ich nutze KI selbst schon dafür. Zum Beispiel, um ein PHP-Skript zu schreiben, das einer Kundin eine Veranstaltungsliste auf ihre WordPress-Website bringt. Richtig cool.

Das war übrigens auch nicht in fünf Minuten erledigt – da mussten wir immer wieder anpassen. Und es war definitiv von Vorteil, dass ich etwas von PHP verstehe. Keine Expertin, ganz bestimmt nicht – aber genug, um zu erkennen, ob das Ergebnis stimmt.

Und genau da sehe ich die Lücke. Wenn du dich mit KI nicht super auskennst. Wenn du keine Ahnung von HTML oder PHP hast. Dann kannst du zwar eine Website erstellen – aber danach wird es schwierig. Ein Bild austauschen, einen Text anpassen, einen Blogartikel veröffentlichen. Das ist im Moment noch nicht so einfach, wie die begeisterten Posts vermuten lassen.

Wenn du neugierig bist: Probier es unbedingt aus. Aber vielleicht nicht gerade mit deiner Live-Website. Teste in Ruhe – so wie ich das auch machen werde, sobald ich genügend Zeit dafür finde.

Ich bleibe am Ball und werde hier berichten, wie es läuft.

Für wen ist das was?

TypEmpfehlung
Die schnelle LandingpageIdeal mit KI. Schnell, schlank, funktional.
Die wachsende Business-WebsiteVorsicht. Die Wartung frisst die Zeitersparnis schnell auf.
Datenschutz-sensible BereicheGenau hinschauen! Externe Formular-Dienste prüfen.
Selbstständige, die ihre Seite selbst pflegen wollenIm Moment noch zu früh. Beobachten und testen – aber nicht auf die Live-Seite.

Häufige Fragen

KI oder doch lieber jemandem geben, der das kann?

Kommt drauf an, was du brauchst. Wenn du eine einfache Seite willst, die du nicht selbst pflegen musst, und du dich mit KI wohlfühlst – probier es aus. Wenn du eine Website willst, die deine Persönlichkeit zeigt, die du im Alltag selbst bearbeiten kannst und bei der du weisst, dass Datenschutz und Technik sauber gelöst sind – dann arbeite mit jemandem zusammen, der das kann.

Schaff ich das wirklich allein, ohne technisches Vorwissen?

Das hängt davon ab. Erstellen: Ja, das geht erstaunlich gut. Pflegen: Das hängt davon ab, wie fit du technisch bist. Wenn du dich mit KI wirklich gut auskennst, kann sie dir auch bei der Pflege helfen. Aber du musst wirklich fit sein – und bereit, Zeit zu investieren.

Ich habe die Dateien von der KI – wie kriege ich die online?

Im Grunde machst du genau das, was man vor 20 Jahren auch schon gemacht hat: Du lädst die Dateien bei deinem Hoster hoch.

Aber eine Sache ist nicht ganz intuitiv. Früher lagen die Dateien einfach untereinander (wie in der Grafik) und an jede Seite wurde .html angefügt. Du erinnerst dich vielleicht noch an Webadressen wie meine-domain.ch/kontakt.html.

Das wurde von WordPress und Co. verändert, und heute sieht man .html nur noch bei uralten Websites. Wenn du das .html bei KI-Websites verhindern willst, musst du jede Datei in einen eigenen Ordner packen. Das sieht dann so aus:

Grafik: Dateistruktur früher vs. heute – einzelne HTML-Dateien vs. Ordner mit jeweils einer index.html

Aber wer weiss – vielleicht ist .html in der URL in zwei Jahren genau das Gegenteil: das Erkennungszeichen einer modernen, KI-generierten Seite.

Wer kümmert sich um Updates und Sicherheit?

Du. Bei einer statischen Website gibt es zwar keine klassischen Updates wie bei WordPress. Aber du bist verantwortlich dafür, dass der Code, den die KI generiert hat, sauber und sicher ist. Dass keine Lücken drin sind. Dass dein Kontaktformular die Daten dorthin schickt, wo sie hingehören. Diese Verantwortung nimmt dir niemand ab.

Ich hab schon eine Website – soll ich die jetzt mit KI neu machen?

Wenn deine aktuelle Website funktioniert und du sie selbst bearbeiten kannst: Nein. Nicht aus Prinzip wechseln, nur weil KI gerade hip ist. Wenn du ohnehin unzufrieden bist, deine Seite langsam lädt oder du einen Neustart willst – dann kann es eine Option sein. Aber teste erst in Ruhe, bevor du deine bestehende Seite über Bord wirfst.

Was mache ich, wenn ich nicht weiterkomme – wer hilft mir dann?

Das ist die Frage, die viele mehr abschreckt als die Technik selbst. Und sie ist berechtigt. Bei WordPress findest du tausende Tutorials, Facebook-Gruppen, Foren. Bei einer KI-generierten Website sieht das anders aus. Es gibt bezahlte Communities, die sich damit beschäftigen. Ansonsten bleiben Plattformen wie Reddit oder allgemeine Frage-Foren. Eine grosse, gut organisierte Community wie bei WordPress gibt es dafür im Moment noch nicht.

Was denkst du? Ich freu mich auf deinen Kommentar. Vielen Dank für deine Unterstützung. 😘

Claudia Barfuss

Seit über 24 Jahren begleite ich als Designerin mit Herz und einem Blick für kreative Lösungen Frauen dabei, ihre Website so zu gestalten, dass sie sich rundum stimmig anfühlt.

In meinen Blogartikeln teile ich erprobte Tipps aus meinem Arbeitsalltag – für alle, die ihre Website klar, strukturiert und mit einer persönlichen Note gestalten möchten.

Porträtfoto von Claudia Barfuss, Webdesignerin für selbstständige Frauen sitzend, mit einem silbernen Tablet in der Hand