Das Geheimnis der richtigen Farben
Stell dir vor, du gehst gemütlich spazieren. Plötzlich siehst du eine Gruppe Golden Retriever – und mittendrin einen schwarzen Labrador. Wohin wandert dein Blick?
Genau, auf den Labrador. Er fällt auf.

Ungewöhnliches zieht automatisch unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das ist kein Zufall, sondern Psychologie – und genau diesen Effekt kannst du auf deiner Website gezielt einsetzen.
Warum dein Farbkonzept so wichtig ist
Mit einem durchdachten Farbkonzept leitest du deine Besucherinnen gezielt zu den wichtigsten Elementen deiner Website: zu Buttons, Angeboten oder deinem Kontaktformular.
Die richtige Farbgestaltung macht deine Seite nicht nur schöner, sondern auch funktionaler. Besucher sehen intuitiv, wo sie klicken sollen, und verstehen sofort die Struktur. Genau das willst du erreichen.
3 Tipps für ein modernes Farbkonzept
Damit deine Website sowohl schön als auch effektiv ist, beachte diese drei Grundregeln:
1. Die 60-30-10-Regel: Bewährte Farbverteilung
Diese klassische Designregel sorgt für Harmonie und Struktur:
- 60 % Hauptfarbe: meist hell oder neutral, z. B. der Hintergrund
- 30 % Sekundärfarbe: für Struktur, Boxen oder übergeordnete Bereiche
- 10 % Akzentfarbe: für Buttons, Links und wichtige Elemente
So entstehen Ruhe, Klarheit und visuelle Hierarchie – dein Design wirkt aufgeräumt statt überladen.
2. Barrierefreiheit (Accessibility): Achte auf ausreichend Kontrast
Ein hellgrauer Text auf weissem Grund wirkt modern, ist aber schwer lesbar – besonders für Menschen mit Sehbeeinträchtigung.
Achte daher darauf, dass Schrift und Hintergrund ausreichend Kontrast haben. Das erhöht Lesbarkeit und Zugänglichkeit.
Es gibt mehrere kostenlose Tools, die dir helfen, deine Kontraste zu prüfen. Eines davon stelle ich dir im separaten Artikel zum Thema Barrierefreiheit vor.
3. Dark Mode: Farben auf dunklem Hintergrund testen
Immer mehr Menschen nutzen den Dark Mode auf Smartphone, Tablet oder Computer.
Farben verändern auf dunklem Hintergrund ihre Wirkung – manchmal positiv, manchmal negativ.
Deshalb solltest du dein Farbschema auch im Dark Mode prüfen. Farben, die auf Weiss harmonisch wirken, können dort plötzlich grell oder stumpf erscheinen.
Die Primärfarbe
Die Primärfarbe ist die zentrale Farbe deiner Website – meist auch in deinem Logo vertreten.
Sie ist intensiv und sollte sparsam eingesetzt werden, sonst wirkt sie ermüdend.
Nutze sie gezielt, um den Blick zu lenken, zum Beispiel:
- bei Überschriften
- bei wichtigen Inhalten oder Elementen
- als visueller Leitfaden durch deine Website

Die Akzentfarbe
Wenn deine Primärfarbe eher dezent ist (z. B. ein Pastellton), brauchst du zusätzlich eine Akzentfarbe, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Sie ist dein „Labrador-Effekt“ – die auffälligste Farbe, die den Blick anzieht.
Setze sie sparsam ein, z. B. für Buttons, Links oder Handlungsaufforderungen (CTAs).
Die Hintergrundfarbe
Der Hintergrund ist die Basis deiner Seite. Er sollte hell, neutral und unaufdringlich sein – aber kein reines Weiss.
Schneeweiss wirkt zu hart und anstrengend, vor allem bei längeren Texten. Wähle stattdessen ein sehr helles Beige oder Grau, das weicher wirkt und das Lesen angenehmer macht.
Viele nutzen eine aufgehellte Variante der Primärfarbe als Grundton – das wirkt harmonisch und verbindet Design und Marke.
Wenn du etwas besonders betonen willst, kannst du kleine Textabschnitte in farbige Boxen setzen – aber wirklich nur kurze, leicht erfassbare Inhalte.
Die Schriftfarbe
Unterscheide bei der Schrift zwischen Überschriften und Fliesstext – beide brauchen starken Kontrast zum Hintergrund.
Sonst wird der Text schlecht lesbar und die Augen ermüden, vor allem bei Menschen mit Sehbeeinträchtigung.
Wie gut die Schrift auf deinem Hintergrund noch zu lesen ist, findest du mit diesem Tool heraus: https://webaim.org/resources/contrastchecker/
Überschriften
Überschriften:
Sie führen das Auge durch die Seite und wecken Neugier. Du kannst dafür deine Primärfarbe oder deine Schriftfarbe nutzen.

Fliesstext:
Hellgraue Schrift auf hellem Grund ist zwar elegant, aber kaum lesbar. Verwende stattdessen ein dunkles Grau, nicht reines Schwarz.
Schwarz wirkt zu hart, Grau ist sanfter und angenehmer für die Augen.
Mit einem Kontrastchecker kannst du schnell prüfen, ob dein Text auch für Menschen mit Sehschwäche gut lesbar ist.
Dekorelemente: Rahmen und Linien
Fast jede Website nutzt Linien, Rahmen oder Schatten, um Inhalte zu strukturieren. Auch hier gilt: dezent ist besser.
Die Trennlinien
Sie sollen nur visuell gliedern, nicht auffallen. Nutze dafür zum Beispiel eine abgeschwächte Variante deiner Primärfarbe.

Die Rahmen
Sie helfen, Aufmerksamkeit auf wichtige Inhalte zu lenken. Besonders Angebotsboxen dürfen kräftiger umrahmt sein. Auch hier bietet sich deine Primärfarbe an.
Formularfelder
Diese sollten gut sichtbar sein – nicht blassgrau! Verwende eine Farbe mit klarer Abgrenzung, z. B. deine Schriftfarbe, damit alle erkennen, wo sie etwas eintragen können.
Element |
Geeignet für welche Phase |
Was das Tool besonders gut kann |
|---|---|---|
Hintergrund |
Neutral/Hell |
Lesbarkeit & Ruhe |
Überschriften |
Primärfarbe |
Struktur & Wiedererkennung |
Buttons (CTA) |
Akzentfarbe |
Handlungsaufforderung |
Fliesstext |
Dunkelgrau |
Augenfreundlicher Kontrast |
So findest du dein Farbkonzept
Ein Farbkonzept entsteht nicht aus dem Bauch heraus, sondern aus deiner Zielgruppe, deiner Haltung und deinen Werten.
Schritt 1: Zielgruppe und Werte definieren
Überlege zuerst, welche Menschen du mit deiner Website ansprechen möchtest.
- Wer sind deine Lieblingskundinnen?
- Welche Werte prägen deine Arbeit?
Aus dieser Schnittmenge entsteht deine persönliche Wertepalette – meist zwei bis drei Kernwerte, die dein Farbkonzept leiten.
Schritt 2: Farben mit Bedeutung wählen
Farben wirken emotional. Jede Farbe vermittelt eine klare Botschaft.
Wenn du Ruhe ausstrahlen willst, passt ein knalliges Rot nicht, auch wenn du es liebst – Rot steht für Energie und Leidenschaft, nicht für Entspannung.
Diese Erkenntnis begrenzt deine Farbauswahl – aber auf hilfreiche Weise. Du siehst sofort, welche Farben dich und deine Zielgruppe wirklich repräsentieren.
Eine ausführliche Übersicht zur Bedeutung einzelner Farben findest du im separaten Artikel über die psychologische Wirkung von Farben.
Schritt 3: Farbkombination testen
Wenn du dein Grundschema festgelegt hast, kannst du gezielt kombinieren.
Es gibt zahlreiche Tools, die harmonische Paletten vorschlagen – und mit einem speziellen KI-Prompt (den ich im separaten Tools-Artikel erkläre) findest du noch schneller zu einem stimmigen Ergebnis.
3 Praxisbeispiele – echte Farbschemata von echten Websites
Damit es nicht theoretisch bleibt, zeige ich dir drei konkrete Beispiele – zwei Kundinnenprojekte und eines von mir selbst. So siehst du, wie Theorie in der Praxis aussieht.
Website Business Ladys World

Ein warmes Farbschema mit klarer Präsenz
Die Farben:
- Akzentfarbe: #cc2630
- Hintergrund 1: #fefcfc
- Hintergrund 2: #fbf4f4
- Hintergrund 3: #fbf5f5
- Textfarbe: #212121
Was dieses Schema ausmacht:
Das klare, lebendige Rot wirkt präsent und offen. Es eignet sich hervorragend für Buttons, Links oder andere Hervorhebungen.
Da es zusätzlich im Footer eingesetzt wird, schafft es ein stabiles, visuelles Fundament.
Die hellen Grundfarben bringen Leichtigkeit, bleiben aber warm und freundlich. So entsteht eine angenehme Balance aus Ruhe und Sichtbarkeit.
Ideal für Websites mit persönlicher Ansprache – etwa für Coaches oder Solo-Unternehmerinnen, die Stärke und Zugänglichkeit verbinden wollen.
Hier geht’s zur Website: https://business-ladys-world.com/
Website von Marion Keller

Ein ausgewogenes Farbschema mit Ruhe und Struktur
Die Farben:
- Akzentfarbe: #cdaa8c
- Hintergrund 1: #6e98a8
- Hintergrund 2: #faf8f6
- Hintergrund 3: #c5d9da
- Textfarbe: #212121
Was dieses Schema ausmacht:
Das warme Beige (#cdaa8c) bringt weiche Akzente, während das kühle Blaugrau (#6e98a8) Stabilität und Tiefe verleiht.
#faf8f6 dient als Haupt-Hintergrundfarbe – angenehm hell und lesefreundlich.
#c5d9da sorgt für visuelle Abwechslung in Sektionen.
Diese Kombination strahlt Ruhe, Struktur und Vertrauen aus – ideal für kreative oder therapeutische Websites, die Klarheit ohne Kühle vermitteln möchten.

Meine eigene Website
Ein ruhiges Farbschema mit Tiefe
- Akzentfarbe: #8b010d
- Hintergrund 1: #fefcfb
- Hintergrund 2: #fbf6f5
- Hintergrund 3: #f0dfdb
- Textfarbe: #212121
Was dieses Schema ausmacht:
Das gedeckte, tiefe Rot (#8b010d) wirkt stabil, seriös und souverän – perfekt für Buttons und Call-to-Actions. Durch sparsamen Einsatz bleibt es wirkungsvoll.
Die warmen, hellen Hintergrundtöne (#fefcfb, #fbf6f5, #f0dfdb) schaffen eine ruhige, harmonische Atmosphäre. Das macht Lesen angenehm und vermittelt Vertrauen.
Besonders geeignet ist dieses Schema für Coaches, Beraterinnen und Dienstleisterinnen, die Klarheit und Kompetenz betonen wollen.
Häufig gestellte Fragen zum Farbkonzept
Welche Farbe steht für Vertrauen und Seriosität?
Blau. Es steht global für Stabilität und Professionalität. Aber das ist eine sehr vereinfachte Aussage. Es hängt sehr davon ab was für einen Blauton du nutzt.
Ist Schwarz wirklich zu hart als Textfarbe?
Ja. Reines Schwarz (#000000) erzeugt zu viel Kontrast und strengt die Augen an. Dunkle Grautöne wie #212121 oder #2a2a2a sind angenehmer und sind trotzdem sehr gut lesbar. Das hier ist die Farbe #212121.
Welche Tools helfen mir bei der Farbwahl?
Es gibt unzählige Tools, die harmonische Farbkombinationen vorschlagen und Kontraste prüfen. Meine sechs Favoriten und einen nützlichen KI-Prompt findest du im separaten Artikel zum Thema Tools und Farbkonzepte. Artikel zum Thema Tools und Farbkonzepte.
Sollte ich mein Farbschema an Trends anpassen?
Nein. Ein gutes Farbkonzept ist zeitlos. Trendfarben wie „Pantone Farbe des Jahres“ sind Marketing. Deine Marke soll Wiedererkennung schaffen – nicht jedes Jahr ihr Gesicht ändern.
Was ist, wenn ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll?
Dann starte mit der Frage:
„Was soll meine Website für ein Gefühl, für eine Stimmung vermitteln?“
Was ist eigentlich ein Moodboard – und brauche ich das überhaupt noch, wenn ich schon ein Farbkonzept habe?
Ein Moodboard ist für mich wie eine kleine kreative Spielwiese. Es ist mehr als nur ein Farbkonzept – du hältst darin die Stimmung, den Stil und das Lebensgefühl deiner Marke fest. Neben Farben kommen hier auch Bilder, Texturen, Schriften oder Formen zusammen, die gemeinsam ein ganzheitliches Bild ergeben. Wenn du also wirklich spüren willst, wie sich deine Marke anfühlen soll, lohnt sich ein Moodboard auf jeden Fall. Mehr dazu findest du im Blogartikel zum Moodboard.
Auf einen Blick: Das Wichtigste für dein Farbkonzept
- Die 60-30-10-Regel: Schafft Ordnung und visuelle Ruhe.
- Kontrast ist Pflicht: Sichere Lesbarkeit für alle Nutzergruppen.
- Vermeide hartes Weiss und Schwarz: Nutze helle Beigetöne und dunkles Grau.
- Strategie vor Trend: Farben sollen zu deinen Werten und deiner Zielgruppe passen.
- Der Labrador-Effekt: Nutze Akzentfarben sparsam und gezielt für Handlungsaufrufe.
Viel Erfolg und Freude bei der Gestaltung deiner Website!
Mit dem richtigen Farbkonzept fühlt sie sich für dich und deine Besucher stimmig an – klar, professionell und einzigartig.
1, 2, 3 – Website-Erfolg
Deine Website fühlt sich nicht mehr nach dir an? Dann klicke hier – und du bekommst klare Impulse und einem cleveren KI-Helfer als Unterstützung.






Roswitha Uhde
Liebe Claudia,
toller Artikel. Danke für deine Tipps. Ich spiele auch gern mit meinen CI-Farben. Das ist ein kräftiges Orange und ein sehr dunkles Blau. Ich habe in meinem Blog große, schwarze Schrift auf weißem Hintergrund. Da meine Zielgruppe Menschen 60+ sind, ist das für sie so am besten lesbar.
Ich finde es immer furchtbar, wenn die Artikel in Blogs mit grauer Schrift geschrieben sind. Und wenn dann noch die Schrift sehr klein ist, bin ich gleich weg. Deine Schrift kann ich super lesen.
Liebe Grüße aus Berlin
Roswitha
Claudia Barfuss
Liebe Roswitha, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich hasse diese kleine graue Schrift auch, da vergeht mir die Lust zu lesen.
Liebe Grüsse
Claudia